In Zeiten der Pandemie hat die Bedeutung mobiler Geräte und Anwendungen noch weiter zugenommen. Die Zahl der installierten Apps auf Smartphones und Tablets wächst und wächst. Doch wie steht es um den Datenschutz bei den mobilen Anwendungen? Die Antwort fällt nicht immer leicht.

Da gibt es eine App für …

Handyspiele, Lernprogramme, Büroanwendungen: Im Jahr 2021 gaben die Deutschen so viel Geld für Handy-Apps aus wie noch nie. Insgesamt 2,9 Milliarden Euro Umsatz wurden 2021 mit Smartphone- Programmen generiert, so der Digitalverband Bitkom. „Das Angebot an Apps wird immer größer – sie ersetzen die Digitalkamera, das Bücherregal, die Spielekonsole“, sagte Dr. Sebastian Klöß, Bereichsleiter für Consumer Technology beim Digitalverband Bitkom. „Gerade in der Corona-Krise haben die Menschen mehr Zeit mit ihrem Smartphone verbracht. Sie haben neue Apps ausprobiert und dabei auch mehr Geld ausgegeben – etwa, um mit kostenpflichtigen Online- Kursen fit zu bleiben, sich mit Spielen die Zeit zu vertreiben oder um neue Sprachen zu lernen.“

Apps gibt es für Geld oder Daten

Wer jetzt denkt, Apps seien doch kostenlos und vielleicht auch deshalb so beliebt, hat zum Teil recht. Die Mehrzahl der mobilen Anwendungen bekommt man tatsächlich, ohne dafür zu bezahlen. Doch ob der Anbieter seine App wirklich ohne Gegenleistung bereitstellt, steht auf einem anderen Blatt. Viele Apps finanzieren sich über Werbung. Damit die Werbung möglichst relevant und damit erfolgreicher ist, sammeln viele dieser Apps Daten über ihre Nutzerinnen und Nutzer. Daran wäre nichts auszusetzen, wenn denn die Anwender darüber informiert wären und darin eingewilligt hätten. Tatsächlich sammeln und werten die Apps die Nutzerdaten oftmals aus, ohne eine Information und Zustimmung der Nutzerinnen und Nutzer. Das ist nicht nur bei kostenlosen Apps der Fall. Auch kostenpflichtige Apps können Daten einsammeln, um für ein Zusatzgeschäft zu sorgen.

Wo ist die Datenschutzerklärung?

Ob eine App Daten sammelt, welche Daten sie sammelt und zu welchem Zweck dies geschieht, aber auch wer die Daten des Nutzers oder der Nutzerin erhält, all dies soll in einer Datenschutzerklärung zu finden sein, die vor der Installation der App einzusehen sein muss. Aber auch nach der Installation der App muss es möglich sein, die Datenschutzerklärung einzusehen. Insbesondere bei einem Update der
App kann sich etwas getan haben, das auf den Datenschutz Einfluss hat. Wer aber bei Apps nach einer Datenschutzerklärung sucht, wird leider nicht immer fündig, im Gegenteil!

Datenschutz hinterfragen: im App-Store und in der App selbst

Ob eine App eine Datenschutzerklärung hat oder nicht, sollte darüber entscheiden, ob man die App überhaupt installiert und nutzt. Die App-Stores wie Google Play für Android-Apps haben in aller Regel einen Link bei der App-Beschreibung, der zur Datenschutzerklärung führt. Leider ist dieser Link nicht so leicht zu finden, zum Beispiel bei den Kontaktdaten des App-Entwicklers. Noch schwieriger ist es, wenn man die App bereits installiert hat. Hier erscheint es eher wie eine Ausnahme, wenn eine App auch einen Bereich für die Datenschutzerklärung hat. Selbst bei bekannten Apps lässt sich nicht davon ausgehen, dass sie wirklich umfassend über den Datenschutz informieren. Wer also nicht mit seinen Daten für eine App bezahlen will, ohne genau zu wissen, wer was zu welchem Zweck erfahren wird, sollte auf Apps ohne Datenschutzhinweise verzichten. Tatsächlich wollen viele Apps mehr erfahren, als sie wissen müssten. Das klassische Beispiel sind etwa Apps mit Taschenlampen-Funktion, die auf Standortdaten und Fotos zugreifen wollen. Da sollte einem das Licht aufgehen, dass hier eine App womöglich Nutzerdaten sammeln will.

Wissen Sie, was eine App über Sie weiß? Machen Sie den Test!

Frage: Kostenpflichtige Apps sammeln keine Nutzerdaten. Stimmt das?

  1. Nein, man kann nicht davon ausgehen, dass der Anbieter einer App, die Geld kostet, keine Zusatzgeschäfte mit Daten machen will.
  2. Ja, man bezahlt dann mit Geld und nicht mit seinen Daten.

Lösung: Die Antwort 1. ist (leider) richtig. Selbst kostenpflichtige Apps können Berechtigungen für Datenzugriffe verlangen, die nicht erforderlich sind, und dann Daten über die Nutzerin oder den Nutzer sammeln, um die Daten an Dritte weiterzugeben oder die Daten selbst zu nutzen.

Frage: Apps ohne Datenschutzhinweise werten auch keine Nutzerdaten aus. Ist das so richtig?

  1. Ja, dann sind bei der App keine personenbezogenen Daten im Spiel.
  2. Nein, gerade wenn die Datenschutzerklärung fehlt, kann es sein, dass die App verstärkt Nutzerdaten sammelt und analysiert.

Lösung: Die Antwort 2. ist richtig. Informiert eine App nicht über den Datenschutz, nimmt es der Anbieter offensichtlich nicht sehr genau mit dem Datenschutz. Eine informierte Einwilligung des Nutzers oder der Nutzerin ist nicht möglich. Stattdessen kann es sein, dass unnötige Datenzugriffe erfolgen und Nutzerprofile erzeugt werden, ohne dass der oder die Betroffene eine Ahnung davon hat. Verzichten Sie daher auf Apps ohne Datenschutzhinweise.